Das Jahr 2025 war für die Metropolregion Hamburg ein Jahr, in dem Künstliche Intelligenz zunehmend gezielt eingesetzt wurde. Damit etabliert sich die Hansestadt weiterhin als wichtiger KI-Standort in Norddeutschland. Mit diesem Bericht teilen wir eine kleine Auswahl unserer persönlichen Highlights des vergangenen KI-Jahres. Aufgrund der Vielzahl der Projekte und dem rasanten Fortschritt in der Metropolregion können wir hierbei natürlich nicht alle wegweisenden Initiativen berücksichtigen.
Fortschritte in Sachen Mobilität und KI in Hamburg

Im Bereich der Mobilität wurden entscheidende Schritte in Richtung autonomer Verkehrssysteme unternommen. Das Projekt ALIKE (autonome On-Demand-Shuttles) der HOCHBAHN, an dem unter anderem MOIA, HOLON und Volkswagen Nutzfahrzeuge beteiligt sind, entwickelte ein bislang einzigartiges Ridepooling-System. Ziel dieses Systems ist es, hochautomatisiertes Fahren (SAE Level 4) als barrierefreie Ergänzung zum klassischen ÖPNV zu etablieren. Nachdem die ersten autonomen MOIA-Shuttles bereits im Testbetrieb auf Hamburgs Straßen unterwegs waren, begannen ab Mitte 2025 erste Testfahrten mit den HOLON-Fahrzeugen [1]. Im europäischen Raum ist dies Pionierarbeit.
Parallel dazu machte die Automatisierung der U-Bahn unter dem Projektnamen U-Bahn100 große Fortschritte: Ende Juli 2025 wurde die erste öffentliche Testfahrt auf der U1-Strecke zwischen Farmsen und Berne erfolgreich absolviert. Durch die Automatisierung der U2 und U4 Linien auf den 100-Sekunden-Takt soll die Kapazität auf dem fahrgaststärksten Abschnitt um bis zu 50 Prozent gesteigert werden, wobei das Zugpersonal weiterhin an Bord bleibt, um die Sicherheit beim Fahrgastwechsel zu gewährleisten [2].
KI, Logistik und Maritimes in Hamburg
Eng verbunden mit den Fortschritten im innerstädtischen Verkehr setzt Hamburg seine digitale Transformation auch in seinen historischen Kernsegmenten fort. In den Bereichen Logistik und Maritimes gewann die Digitalisierung durch mehrere Schlüsselprojekte weiter an Dynamik. Das Forschungsprojekt AKIDU (Automated, AI-integrated Dispatching for Universal Terminals) fand im August 2025 seinen erfolgreichen Abschluss und setzte einen neuen Meilenstein in der Digitalisierung des O’Swaldkai Multi-Purpose Terminals. Unter der Leitung von UNIKAI, AKQUINET und HITeC e.V. wurden praktikable IT-Tools für die digitale Erfassung, Planung und 3D-Visualisierung von nicht standardisierten Ladungsgütern entwickelt, um die Umschlagleistung zu erhöhen [3]. Zudem präsentierte die Hamburg Port Authority (HPA) im Mai 2025 das weiterentwickelte Robotersystem SeaClear2.0 im Live-Einsatz, das mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) und autonomen Unterwasser- und Überwasserfahrzeugen Meeresmüll, insbesondere Plastikmüll auf dem Meeresboden, erkennen und beseitigen soll [4].
Die HPA setzte sich auch aktiv für die Erhöhung der Sicherheit der Hafeninfrastruktur ein: Im Rahmen eines Tests wurde der Roboterhund Spot in Zusammenarbeit mit Boston Dynamics und Reply zur technisch gestützten Bauwerksinspektion an der Köhlbrandbrücke eingesetzt. Der Roboter machte dabei hochauflösende Fotos von Schadstellen und inspizierte so Bereiche, die für Menschen zu gefährlich oder nur schwer zugänglich sind. Die erfassten Daten und 3D-Scans wurden dann zur Erstellung eines digitalen Zwillings der Brücke genutzt, um Schäden mithilfe von KI zu simulieren [5].
Highlights aus KI und Medizin in Hamburg
Im Sektor Medizin und Life Science etablierte Hamburg innovative KI-Anwendungen, um die Patientenversorgung zu verbessern und die Forschung zu beschleunigen. Die IDMedizin (Innovative Digitale Medizin gGmbH), eine Ausgründung des UKE, positionierte sich als zentraler Akteur, indem sie KI-basierte Anwendungen nutzbar macht. Dabei wird mit höchsten Sicherheitsstandards gearbeitet um unter Wahrung datenschutzrechtlicher Vorgaben, Daten aus den digitalen Patientenakten des UKE nutzbar zu machen.
Ein Schlüsselprojekt war der Rollout des KI-gestützten Sprachmodells Orpheus, das speziell auf medizinische Sprache und den klinischen Alltag trainiert wurde, um gesprochene Inhalte von Ärzt:innen, Pflegekräften und anderem Personal automatisch und präzise in Textform umzuwandeln. So vereinfacht bzw. Beschleunigt es die Transkription und Dokumentation im Gesundheitswesen [6]. Um den hohen regulatorischen Anforderungen des Gesundheitswesens gerecht zu werden, läuft das Modell auf einer souveränen und unabhängigen Infrastruktur. Durch die Eigenentwicklung der Modelle kann das System unabhängig operieren, sensibel mit Patientendaten umgehen und flexibel an neue Anforderungen angepasst werden.
Parallel dazu trieb das Fraunhofer ITMP unter Prof. Carsten Claussen die Arzneimittelentwicklung voran, indem KI-Modelle zur Vorhersage idealer Wirkstoffstrukturen genutzt werden, um die Suche nach neuen Medikamenten zu beschleunigen und die Trefferquote zu verdoppeln [7].
Digitale Souveränität in Hamburg
Die Entwicklung digitaler Souveränität, wie sie das UKE in der Medizin vorantreibt, spiegelt sich auch in der Öffentlichen Verwaltung wider. Der Rollout des selbstgehosteten KI-Textassistenten LLMoin, der speziell für die Anforderungen der Hamburger Verwaltung entwickelt wurde und einen starken Fokus auf Datenschutz und Sicherheit legt, begann im Dezember 2024 und wurde 2025 fortgesetzt. LLMoin unterstützt bei der Zusammenfassung von Texten und der Generierung neuer Inhalte, um die Effizienz der Verwaltungsprozesse zu steigern [8]. Auch die politische Dimension der KI-Governance wurde gestärkt: Im Juni 2025 wurde die Hamburger Erklärung zu verantwortungsvoller KI für die SDGs präsentiert. Diese von Christian Pfromm (CDO der Stadt Hamburg) unterstützte Initiative wurde von internationalen Partnern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft erarbeitet, um einen ethischen Rahmen für die gerechte, nachhaltige und inklusive Gestaltung von KI weltweit zu setzen, insbesondere für Länder, die bisher kaum von digitalen Innovationen profitieren [9].
Zudem fand im September die Fachkonferenz DIPAS_analytics statt, die den Abschluss eines Projekts markierte, bei dem mittels KI und Standortinformationen, die vielen Hinweise, Kommentare und Ideen von Bürgerinnen und Bürgern aus Beteiligungsverfahren übersichtlich geordnet und besser ausgewertet werden sollen [10].
KI und die Medienbranche
Als einer der strukturprägenden Wirtschaftszweige der Metropolregion Hamburg steht der Mediensektor besonders im Fokus der KI-Transformation. Diese Ausgangslage führte zur Initiierung der AIM Leaders Konferenz als Plattform für Austausch und Einordnung. Diese erste Fachkonferenz für KI in der Medien- und Digitalwirtschaft im DACH-Raum, fand am 27. November 2025 im Mojo Club statt [11]. Die von nextMedia.Hamburg und in Zusammenarbeit mit dem ARIC (unterstützend) organisierte Veranstaltung brachte Entscheider zusammen, um den Wissensaustausch und die Beschleunigung von KI-Entwicklungen voranzutreiben und Hamburg als Hub für KI in der Medienbranche zu positionieren.
Außerdem feierten das ARIC und die Universität Hamburg im Juli die Premiere der KI Arena: Die KI-Challenge der Generationen als innovatives Bildungs- und Dialogformat. Diese generationenübergreifende Spielshow demonstrierte spielerisch, durch Challenges wie Prompt-Formulierung und Roboterprogrammierung, dass KI-Bildung auch unterhaltsam vermittelt werden kann [12].
Highlights aus der KI-Startup Szene
Auch die Startup Szene in Hamburg hat im vergangenen Jahr einige Meilensteine erreicht. Der AI.STARTUP.HUB Hamburg schloss mit einer feierlichen FINAL COUNTDOWN Startup Graduation & Farewell Party am 27. November 2025 ab. Damit beendete der Hub erfolgreich seine Funktion als zentraler Ökosystem-Katalysator zur Förderung von Deep Tech KI-Unternehmen in Norddeutschland. Das Projekt wurde mit 3,8 Millionen Euro vom BMWE gefördert [13]. Ein bereits etabliertes Hamburger Startup ist Flower.AI, das mit seiner Open-Source-Plattform für das verteilte Training von großen Sprachmodellen (Large Language Models) einen wichtigen Beitrag zur Demokratisierung von KI-Forschung leistet. So wurde ihr System Photon, ein Framework für federated pre-training von LLMs, bei der renommierten MLSys 2025-Konferenz vorgestellt, wo es als erstes vollwertiges System dieser Art beschrieben und evaluiert wurde [14]. Weiterhin schloss 3D Spark, ein Startup für KI-gestützte Fertigungsoptimierung und ehemalige Teilnehmer des AI.Startup Hubs, im November 2025 eine Community-Finanzierungsrunde ab, um die effiziente, transparente und datengesteuerte industrielle Produktion weiter zu beschleunigen [15].
KI in der Hamburger Wissenschaft
Um das Startup-Ökosystem und den gesamten Technologiestandort nachhaltig zu tragen, bedarf es einer exzellenten Basis. Im Bereich Wissenschaft festigte Hamburg seine Position als herausragender Standort weiter. Das DKRZ (Deutsches Klimarechenzentrum) erzielte im November 2025 einen bemerkenswerten Erfolg mit der neuen GPU-Erweiterung des Levante-Supercomputers, welches zu den drei energieeffizientesten High Performance Computing Clustern weltweit zählt [16].
Begriffserklärung
HPC (High Performance Computing) bezeichnet sehr leistungsstarke Computersysteme, die durch spezialisierte Hardware und Konfigurationen große Datenmengen parallel verarbeiten und dadurch komplexe, rechenintensive Probleme lösen können.
Darüber hinaus wurde ein Team von Hamburger Klimaforschenden unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Meteorologie und des DKRZ für seine bahnbrechenden Leistungen im Hochleistungsrechnen mit dem renommierten Gordon Bell Preis für Klimamodellierung ausgezeichnet [17].
Die Universität Hamburg sicherte sich mit erfolgreichen Fortsetzungsanträgen die Weiterförderung ihrer vier bestehenden Exzellenzcluster, darunter CLICCS (Climate, Climatic Change, and Society), das erneut für sieben Jahre bewilligt wurde [18]. Auch die TUHH bekommt erstmals mit dem Projekt BlueMat: Water Driven Materials einen Exzellenzcluster zugewiesen [19]. Im Bereich Sicherheit arbeitet Prof. Oliver Niggemann an der HSU intensiv an maschinellem Lernen und KI-Methoden für Cyber-Physical Systems, insbesondere zur Anomalieerkennung und vorausschauenden Wartung [20].
Nicht zuletzt erhielt die HAW Hamburg, an der Prof. Dr. Marina Tropmann-Frick (Data Science und Responsible AI) im Direktorium des neuen Promotionsprogramms Computational Engineering and Applied Data Science (CEADS) mitwirkt, vom Wissenschaftsrat eine positive Begutachtung für ihr Konzept zur Einrichtung eines eigenständigen Promotionsrechts [21].
Highlights im Transferbereich
Der Transfer von neuesten KI-Methoden in die praktische Anwendung wird in Hamburg mit der erfolgreichen Verlängerung des bereits laufenden Projekts EDIH Hamburg weiter ausgebaut. Als Teil eines europaweiten Netzwerks von European Digital Innovation Hubs unterstützt EDIH Hamburg 2.0 gezielt kleine und mittlere Unternehmen sowie öffentliche Einrichtungen bei der Einführung und Nutzung von Künstlicher Intelligenz. Die Konsortialpartner aus Handwerkskammer, TUHH, HAW, DigiHub, ARIC und unter der Koordination von HITeC setzen dieses bewährte Angebot auch in den kommenden drei Jahren fort [22].
Vor dem Hintergrund steigender regulatorischer Anforderungen durch die EU-KI-Verordnung sowie bestehenden regulatorischen Hürden, welche für Start-ups und KMU’s immer höher werdende Markteintrittsbarrieren darstellen, hat das ARIC in Zusammenarbeit mit dem Lawcom-Institut im Auftrag des Senats erfolgreich ein Konzept für den Aufbau einer KI-Sandbox erarbeitet. Diese ist als modulares Reallabor angelegt, das Unternehmen, Forschung und Verwaltung dabei unterstützt, KI-Systeme schneller, sicherer und regulatorisch anschlussfähig in die Anwendung zu bringen. Damit soll die die Zeit bis zur Marktreife für stark regulierte Produkte erheblich gesenkt werden.
Fazit
Insgesamt zeigen die Entwicklungen im Jahr 2025, dass Hamburg an vielen Stellen die Chancen der Künstlichen Intelligenz aktiv ergreift. Dazu gehören die Bereiche Mobilität, Hafen, Gesundheit, Verwaltung, Medien, Startup-Förderung und Forschung. Durch enge Kooperation zwischen Behörden, Wirtschaft und Wissenschaft entstehen praxisnahe KI-Lösungen, die sowohl die Wirtschaftskraft stärken als auch den gesamtgesellschaftlichen Mehrwert im Blick haben. Es ist nicht einfach, aus den vielen innovativen Projekten einzelne Highlights auszuwählen. Falls wir welche nicht genannt haben sollten, so liegt dies nicht darin begründet, dass sie keine Highlights sind, sondern lediglich davon, dass wir hier eine gewisse Vorauswahl treffen mussten.
Die aufgezählten Erfolge zeigen jedenfalls deutlich: Hamburg positioniert sich als einer der führenden KI-Standorte Deutschlands und richtet einen klaren Blick auf die Zukunftstechnologie KI und ihrem verantwortungsvollen Einsatz zum Wohle der Stadt und ihrer Menschen.
Quellen
- [1] https://www.hochbahn.de/de/projekte/autonomer-busverkehr/alike
- [2] https://www.hochbahn.de/de/projekte/automatisierung-u-bahn100
- [3] https://hhla.de/medien/news/detailansicht/unikai-und-akquinet-modernisieren-umschlagprozesse-am-oswaldkai
- [4] https://www.hafen-hamburg.de/de/presse1/news/ki-gegen-plastikmuell/
- [5] https://www.reply.com/de/robotics-and-autonomous-things/predictive-maintenance-with-spot
- [6] https://www.idmedizin.de/orpheus
- [7] https://www.fraunhofer.de/de/forschung/artikel-2025/arzneimittel-entwicklung.html
- [8] https://digital.hamburg.de/digitale-stadt/grosse-sprachmodelle-fuer-die-hamburger-verwaltung-ki-textassistent-llmoin-startet-betrieb–998002
- [9] https://www.bmz.de/de/aktuelles/aktuelle-meldungen/hamburger-erklaerung-zu-verantwortungsvoller-ki-fuer-die-sdgs-253196
- [10] https://www.dipas.org/analytics/fachkonferenz2025
- [11] https://nextmedia-hamburg.de/events/kalender/aim-leaders/
- [12] https://aric-hamburg.de/news/pressemeldung/ki-arena/
- [13] https://www.aistartuphub.com/ein-ki-leuchtturm-fur-den-norden/
- [14] https://flower.ai/blog/2025-05-09-photon/
- [15] https://www.metal-am.com/3d-spark-closes-community-round-to-expand-industrial-am-software-strategy/
- [16] https://www.dkrz.de/en/communication/news-archive/aktuell-en
- [17] https://www.dkrz.de/en/communication/pressemitteilungen/hamburg-climate-scientists-receive-international-award-for-groundbreaking-achievements-in-high-performance-computing
- [18] https://www.uni-hamburg.de/newsroom/presse/2025/pm19.html
- [19] https://harburg-aktuell.de/news/vermischtes/77-millionen-euro-f%C3%BCr-materialforschung-tuhh-gewinnt-mit-%E2%80%9Ebluemat%E2%80%9C-exzellenzcluster.html
- [20] https://www.researchgate.net/profile/Oliver-Niggemann
- [21] https://www.haw-hamburg.de/en/university/newsroom/news-details/news/news/show/doktortitel-made-at-haw-hamburg/
- [22] https://aric-hamburg.de/aric-universum/projekte/edih-2-0/
Autoren: Jakob Mertes, Amar Bolkan, ARIC
Titelfoto: Hochbahn

